Wie legt man die Zapfenstärke zur Zarge fest?
Die Zapfenstärke eines Esstischgestells aus Massivholz richtet sich zuerst nach der fertigen Zargendicke. Messen Sie die gehobelte Zarge und nicht das Rohmaß, denn Hobel und Schliff nehmen oft ein bis zwei Millimeter weg. Der Zapfen bleibt deutlich schmaler als die Zarge, damit links und rechts genug Holz für die Wangen des Schlitzes stehen bleibt.
Als Werkstattorientierung gilt etwa ein Drittel der Zargendicke. Eine Zarge von 22 Millimetern führt so zu einem Zapfen von rund 7 Millimetern, eine Zarge von 27 Millimetern zu etwa 9 Millimetern. Runden Sie auf ein Maß, das zu Stemmeisen oder Nutfräser passt, statt ein krummes Zwischenmaß zu erzwingen, das sich später schlecht wiederholen lässt.
Holzart und Last des Esstisches mitdenken
Harte Laubhölzer wie Eiche, Esche oder Buche tragen einen etwas schlankeren Zapfen zuverlässiger als weiche Nadelhölzer. Bei Kiefer oder Fichte legen Sie die Zunge eher an das obere Ende des Drittels, weil die Fasern leichter ausbrechen und die Wangen weniger Druck aufnehmen. Die Holzart setzt also kein starres Maß, sondern den Spielraum innerhalb der Zargendicke.
Ein Esstisch trägt mehr als sein Eigengewicht. Aufstützen, eine schwere Platte und der Hebel der Beine belasten die Zargen auf Biegung und die Ecken auf Verdrehung. Je länger die Zarge und je schwerer die Platte, desto wichtiger ist eine satte Passung über die volle Zapfenhöhe statt einer nur optisch sauberen Schulter. In der MÖBELWERKSTATT wird die Stärke deshalb erst festgelegt, wenn Holzart, Zargenlänge und geplante Platte zusammenliegen.
Zapfen mittig halten und Wangen gleich lassen
Der Zapfen sitzt mittig in der Zargendicke, wenn beide Wangen gleich stark bleiben. Messen Sie jede Zarge an mehreren Stellen, zeichnen Sie die Mitte an und übertragen Sie die halbe Zapfenstärke nach beiden Seiten. Ein fester Anschlag am Frästisch oder eine Lehre an der Säge verhindert, dass die Zunge zur einen Seite wandert.
Ungleiche Wangen sehen von außen oft noch gerade aus, geben der Ecke aber eine Vorzugsrichtung. Unter Last gibt die dünnere Wange zuerst nach, und das Gestell kippt leichter. Prüfen Sie nach dem ersten Probeschnitt beide Wangen mit dem Messschieber und korrigieren Sie den Anschlag, bevor Sie alle Zargen fertigen. Gleiche Wangen halten den Zapfen auch dann in der Mitte, wenn das Holz später etwas arbeitet.
Die Schulter so setzen, dass das Gestell ruhig bleibt
Die Schulter ist die Fläche, mit der die Zarge am Bein anliegt. Sie muss rechtwinklig zur Zapfenfläche stehen und auf der ganzen Breite tragen. Eine hohle oder schräge Schulter lässt das Gestell wackeln, auch wenn der Zapfen selbst stramm im Schlitz sitzt. Arbeiten Sie die Schulter erst nach, wenn der Zapfen trocken und ohne Zwang in den Schlitz passt.
Lassen Sie am Grund des Schlitzes einen kleinen Luftspalt, damit der Zapfen dort nicht anstößt. Die Kraft geht dann über die Schultern in das Bein und nicht über eine punktuelle Berührung am Schlitzboden. Spannen Sie die Ecke probeweise und prüfen Sie mit dem Winkel, ob Zarge und Bein ohne Lichtspalt anliegen. So bleibt das Gestell ruhig, wenn Sie es später verleimen und die Platte auflegen.